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Yele  
 
Artist: Malcolm Braff Trio
 
Album: Yele
 
Katalog Nr: UTR 4171
 
Releasedatum: 31.03.2006
 
Albumdauer: 66:26
 
Line-Up: Malcolm Braff âEUR" Piano
Yaya Ouattara âEUR" Djembé, Bara
Alex Blake âEUR" Bass
 
Credits: Tracks 1,2,4,6 recorded Live in December 2000 and mixed by Philippe Zunbrunn
Tracks 3,5 Piano Solo recorded at Studio du Flon and mixed by Benoît Corboz
 
Liner Notes: Im Gleichklang mit den Daseinsrhythmen
Ãoeber die Grenzen der technischen Reproduzierbarkeit des Jazz, dieser der Jagd nach dem erfüllten Augenblick verpflichteten Musik, wurde bereits viel philosophiert und spekuliert. Es gibt Künstler, bei denen sich diese Grenzen besonders deutlich offenbaren: die Meister der Ekstase, der Entfesselung und der Entgrenzung. Der Pianist Malcolm Braff aus Vevey zählt zu ihnen. Das bevorzugte Revier von Braff ist die Bühne. Seine Auftritte gleichen einem Drama in vier Akten.
Im ersten Akt geht es darum, die Herzen des Publikums zu erobern âEUR" dies ist meistens im Handumdrehen vollbracht. Der zweite Akt besteht darin, die Begeisterung schrittweise in ungeahnte Dimensionen zu steigern. Der dritte Akt bringt die Verknüpfung von Ekstase und Katharsis. Vierter Akt: Die Ruhe nach dem Sturm. Als Zuhörer wird man überwältigt, aufgewühlt und durchgeschüttelt, man bekommt das zu spüren, was der deutsche Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil in einem Aufsatz über Mozart «die sich ausdeklamierende Lebenslust und das enthusiastische Toben, dieser Gleichklang mit sonst verborgenen, tiefsitzenden Daseinsrhythmen» genannt hat.
Nach zwei Alben mit dem imposanten «Mini-Orchester» BraffOesterRohrer (u. a. «Maximal Music» auf Unit Records) präsentiert der Pianist auf dem nun vorliegenden Live-Mitschnitt sein eigenes Trio, zu dem der aus Burkina Faso stammende Djembé-Meister Yaya Ouattara, der bereits in Braffs COMBO mitwirkte, und der amerikanische Kontrabassist Alex Blake gehören. Was alle drei Musiker auszeichnet, ist die Fähigkeit, die Grenzen ihrer Instrumente zu transzendieren âEUR" so wird z.B. Blakes Bass in einigen Passagen zu einer archaischen Trommel und Braffs Klavier mutiert zu einem hymnischen Chor. Das Musikmachen bezeichnet Braff als «privilegiertes Mittel, die Einheit mit der Welt zu spüren, im Moment aufzugehen».
Bei aller urwüchsigen Energie und draufgängerischen Dringlichkeit, die in ihr steckt, ist Braffs Musik mitnichten ein Naturwunder, hinter ihr steckt vielmehr ein von analytischer Neugier geprägter Forschungsdrang âEUR" in diesem Zusammenhang ist es sicherlich nicht falsch, eine Parallelle zu John Coltrane zu ziehen, der ja auf geradezu paradigmatische Weise zeigte, dass Ekstatik und Systematik durchaus zwei Seiten derselben Medaille sein können. Während Coltrane vornehmlich auf dem Gebiet der Harmonik forschte, gilt Braffs Hauptinteresse dem Rhythmus. Nun könnte man vermuten, dass dieses Interesse darauf zurückzuführen ist, dass der 1970 in Brasilien geborene Braff einen grossen Teil seiner Kindheit (1973 bis 1982) in Afrika (Kapverden und Senegal) verbrachte. Braff winkt ab: «Ich kenne die afrikanische Musik nicht, sie ist meines Erachtens sowieso nur Initiierten zugänglich. Ich kann nur sagen, dass sie mich auf Ideen bringt. Punkt! Meine Ideen basieren auf vielen indirekten Einflüssen. Ich will kein Prediger sein, der eine Tradition weitergibt, denn ich verfüge gar nicht über eine in sich geschlossene Tradition. Was ich dagegen weitergeben möchte, ist eine Einstellung, die der Recherche und dem Experiment viel Platz einräumt».
 
Links: www.malcolmbraff.com
 
 
 
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